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Kompostierung
Projektleiter DI Alfred Pöllinger

In einem Gemeinschaftsprojekt an der BAL Gumpenstein mit dem Kurztitel „Wirtschaftsdüngerkompostierung und Anwendung auf dem Grünland und Acker" wurden seit 1992 die Wirtschaftsdünger Festmist aus einem Tretmistsystem und einer Anbindehaltung auf einer Betonlysimeteranlage kompostiert bzw. nur gelagert und neben einer Güllevariante einer NPK-Variante und einer O-Variante im Bereich Grünland mit 1,5 und 3,0 GVE/ha und im Bereich Acker mit 2,0 GVE/ha düngeräquivalent auf den Flächen ausgebracht.

Daneben wurden einzelne Versuchsglieder aus den pflanzenbaulichen Versuchen auf einer Lysimeteranlage hinsichtlich der flüssigen Nährstoffverluste untersucht.

Der ackerbauliche Teil des Kompostprojektes bestand aus einem kombinierten Düngungs-/ Fruchtfolgeversuch, in dem fünf verschiedene Kulturarten (Silomais, Sommergerste mit Kleegraseinsaat, Kleegras, Kartoffeln und Sommerroggen ) jährlich zum Anbau gelangten. Die Düngevarianten waren Stallmistkompost, Rottemist, beide aus der Anbindehaltung, Gülle, eine mineralische Volldüngung und eine PK-Variante. In den Grünlandversuchen wurde neben der Ertragsleistung der Wirksamkeit des Kompoststickstoffes bzw. des gesamten Kompostsystemes besonderes Augenmerk geschenkt.

Während der Kompostierung wurde eine Reduktion von rund 58 % an Frischmasse errechnet. Stickstoff ging zu rund 39 % verloren, über 95 % davon waren gasförmige Verluste. Bei Rottemist wurde die Frischmasse um rund 35 % reduziert und der Stickstoff um gut 30 %. Große Probleme bereitete die repräsentative Probenahme von der Miete bis zum chemischen Aufschluss. Mittels eines Emissionsmessraumes wurden vom Institut für Land-, Energie- und Umwelttechnik der Universität für Bodenkultur nur 14,5 % gasförmige Stickstoffverluste während des Kompostierungsprozesses gemessen.

Die Nährstoffverluste durch Sickersäfte waren sowohl bei der Kompostierung als auch bei der Lagerung von Stallmist bezogen auf die Gehaltswerte in den Wirtschaftdüngern gering. Ein bis maximal vier Prozent des Gesamtstickstoffgehaltes in den Kompost- und Rottemistmieten ging durch Sickersäfte verloren, davon rund 80 % in den ersten drei bis vier Lagerungs- bzw. Behandlungswochen.

Bei den Erträgen der Ackerkulturen gab es deutliche Unterschiede zwischen der mineralischen Volldüngung und der PK-Düngung, aber nur sehr geringe zwischen Kompost- und Rottemistvariante. Beim Silomais zeigte sich die Notwendigkeit einer Stickstoffdüngung, um einigermaßen gute Frisch- und Trockenmasse-Erträge zu erzielen.

Ganz anders ist die Situation beim Getreide. Hier führte die mineralische Volldüngung oftmals zu starker Lagerung, was sich in sehr geringen Kornerträgen einerseits, in schlechter Kornqualität andererseits zeigte. Auch bei der Kartoffel war die NPK-Variante den anderen Düngearten überlegen; bei Kleegras lag die Kompostvariante an der Spitze der Tabelle.

Am Boden konnten anhand verschiedener Bodenparameter keine großen Veränderungen festgestellt werden. Die Untersuchung der Aggregatstabilität des Bodens brachte insgesamt sehr hohe Werte, zeigte aber eine gewisse Überlegenheit der organischen Dünger wie Kompost, Rottemist und Gülle im Vergleich zu den mineralischen.

Grundsätzlich konnte bei diesem Versuch die gute Anwendbarkeit von Kompost und Rottemist zu allen Ackerkulturen dargestellt werden, auch wenn die Nährstoffwirkung bei Silomais und Kartoffeln ohne mineralische Ergänzung der rein mineralischen Düngung unterlegen ist.

Bei den Grünlandvarianten war die in diesem Versuch hohe N-Effizienz der Kompostvarianten auffallend, die ob des ausschließlich organisch gebundenem N-Anteiles doch überraschte.

Entscheidend für die hohe Systemeffizienz war sicher die hier erfolgte, ausreichende und gut auf den Ertrag abgestimmte PK-Versorgung, die einen entsprechend hohen Leguminosenanteil gewährleistete. Dieser verbesserte in weiterer Folge die N-Zufuhr und damit auch die Ertragsleistung.

Hinsichtlich der Höhe der Anrechnung des Kompoststickstoffes, ließ sich aus den hier erhobenen Versuchsergebnissen für Grünland der bisher verwendete Wert von 0,70 durchaus bestätigen.

Aus den Lysimeterversuchen zeigte sich einmal mehr die positive Wirkung eines dauerhaften Bewuchses auf den Grundwasserschutz. Insgesamt war das Niveau der Auswaschung gering, so wurde im Jahr 1997 mit den höchsten Jahresniederschlägen auch der höchste Jahreswert an Nitrat mit 57 kg/ha unter der Variante Winterrogen und Kompostdüngung gemessen. Alle Grünlandvarianten blieben auch bei einer hohen Güllegabe von 3,0 GVE/ha in Summe aller neun Versuchsjahre unter 30 kg Nitrat-N/ha.

Die Festmistkompostierung ist und wird ein Verfahren zur Wirtschaftsdüngerbehandlung bleiben, das nur dann Anwendung findet, wenn hohe Strohmengen aus den Tierhaltungssystemen im Grünlandgebiet verarbeitet werden müssen, Ackerböden nicht geeignet sind Frischmist oder Gülle zu verarbeiten (schwere, humusarme Böden) oder zusätzliche organische Abfallprodukte aus der Landwirtschaft verarbeitet werden müssen oder können. Der relativ hohe arbeitstechnische Aufwand steht den vielen positiven Effekten der Kompostwirtschaft zu weit voraus, als das eine flächendeckende Kompostwirtschaft aus Stallmist Platz greifen könnte.