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Titelbild Genbank klein

Projektleiter: Dr. Wilhelm Graiss

Früher ein- bis zweimal gemähte Grünlandflächen wurden in den letzten Jahrzehnten entweder aufgelassen, wodurch sich andere Pflanzengesellschaften – bis hin zu Waldbeständen – etabliert haben, oder die Bewirtschaftung wurde intensiviert.

Durch die damit verbundene häufigere Schnittfrequenz und vor allem einem möglichst frühen ersten Schnitt kommt es kaum mehr zum natürlichen Versamen der Grünlandbestände und zahlreiche Grünland-Arten der extensiveren Standorte verschwinden. Extensivgrünland enthält zum Teil das gleiche Artenspektrum wie Intensivgrünland, unterscheidet sich dabei aber deutlich in seiner Genetik, die sich meist über Jahrhunderte an die regional herrschenden Klima- Standorts- und Bewirtschaftungsbedingungen angepasst hat. Diese regionale Genetik stellt, gerade in Zeiten des Klimawandels, eine äußerst wertvolle Ressource dar, die es sowohl für kommende Generationen als auch für künftige Züchtungsarbeit zu erhalten gilt. Regelmäßige Über- und Nachsaaten zur Erhaltung bzw. Steigerung der Leistungsfähigkeit und Erhöhung der Narbendichte von Grünlandbeständen sind inzwischen Standardmaßnahmen der Bewirtschaftung von Dauergrünland.

Bei der Auswahl des Saatgutes wird auf die Verwendung hochwertiger Sorten, meist in Form von Qualitäts-Saatgutmischungen, geachtet. Diese Sorten stammen neben inländischem Zuchtmaterial zum großen Teil von Firmen aus Norddeutschland, Dänemark, Holland, Frankreich und Neuseeland. Aber auch die in Österreich gezüchteten Sorten sind notwendigerweise genetisch homogenisiert und in ihren Eigenschaften auf die Bedürfnisse der modernen Grünlandbewirtschaftung ausgerichtet. Das regelmäßige Ausbringen dieses so gesehen „genetisch standortfremden“ Saatgutes führt nach und nach zu einer Gendrift, die auch extensiv bewirtschaftete und in-situ erhaltene Grünlandbestände trifft. Durch Polleneintrag nachgesäter Grünlandbestände geht die ursprüngliche Genetik betroffener Arten des Extensivgrünlandes zunehmend und ohne Gegenmaßnahmen bereits in naher Zukunft unwiederbringlich verloren. Eine Besammlung passender Bestände in ihrer regionalen Ausprägung und die Sicherung des Samenmateriales in der Gumpensteiner Genbank sind daher dringend nötig. Im Rahmen des Projektes wird Saatgut landwirtschaftlich wichtiger Grünlandgräser und -kräuter in den 3 ausgewählten Lebensraumtypen aller 10 naturräumlichen Großeinheiten Österreichs besammelt (G-Zert 2012), reproduziert und ex-situ im Gefrierlager des LFZ gesichert. Dies dient in erster Linie dem Erhalt der genetischen Vielfalt, die durch Nach- und Übersaat mit einheitlichem Saatgut sehr stark gefährdet ist. Das gesammelte und verwahrte Material steht zukünftig für Züchtungsaktivitäten sowie regionale Naturschutz- und Landschaftsbau-Maßnahmen zur Verfügung. Die im Rahmen dieses Projektes erhobenen Daten werden in das nationale Verzeichnis der öffentlich zugänglichen österreichischen Genbank integriert.

Projektlaufzeit: 2014 - 2023