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40 2012 schonende uebergangsfuetterung

Schonende Übergangsfütterung und früher Weidebeginn sind wichtig

40 2012 umstellung weidebeginn

Zu Weidebeginn wird langsam von Stunden- auf Vollweidehaltung umgestellt

40 2012 weidebeginn

Zu Weidebeginn wird eine möglichst große Fläche beweidet

40 2012 kraftfutter weidebeginn

Der Kraftfutterverbrauch wir mit Weidebeginn kontinuierlich reduziert.

40 2012 schattenplaetze notwendig

An heißen Tagen fressen die Rinder in den wärmsten Stunden weniger Futter - Schattenplätze sind notwendig

40 2012 junges weidefutter

Junges Weidefutter ist sehr schmackhaft und energiereich

40 2012 gleichbleibende weidefutterqualitaet

Druch eine hohe und gleichbleibende Weidefutterqualität kann eine gute Weidemilchleistung erreicht werden

Autor : Priv. Doz. Dr. DI Andreas Steinwidder

Weidefutterqualität

Das Weidefutter weist bei optimaler Weideführung und Nutzung eine hohe Verdaulichkeit auf. Im Vollweideprojekt wurde im Durchschnitt ein Energiegehalt von 6,3 MJ NEL/kg Trockenmasse festgestellt. Insbesondere zu Weidebeginn zeigte sich die höchste Energiekonzentration. Der Energiegehalt liegt damit im Bereich von Maissilage bzw. erreicht nahezu energiearme Kraftfuttermischungen. Aktuelle Ergebnisse aus Österreich zeigen, dass bei konsequenter Nutzung des Weidepotentials, Grundfutterleistungen von etwa 20-25 kg Milch pro Tag aus der Weide erreichbar sind. Auch der Eiweißgehalt (Rohprotein) lag in den untersuchten Proben mit durchschnittlich 21 % auf sehr hohem Niveau. Die beachtliche Streuung im Nährstoffgehalt spiegelt deutlich die Pflanzenbestands-, Betriebs-, Boden- und Bewirtschaftungseinflüsse wider.

Zu beachten ist, dass junges Weidegras nicht nur energie- sondern auch zuckerreich ist und eine geringe Strukturwirksamkeit aufweist. Daher schließt Vollweidefütterung eine hohe Kraftfutterergänzung aus pansenphysiologischer Sicht aus. Bereits bei täglichen Kraftfuttermengen über 2-4 kg kann es zu Verdauungsstörungen kommt. Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass jedes kg Kraftfutter auch sehr viel preiswertes Weidefutter aus der Ration verdrängt.  

Im Gegensatz zu intensiv genutzten Weideflächen darf die Futterqualität auf Standweiden, Extensivflächen und Almen nicht überbewertet werden. Je nach Pflanzenbestand und Selektionsmöglichkeit durch die Tiere entsprechen die Energie- und Rohfasergehalte etwa dem eines Heus geringer bis mittlerer Qualität. Diese Weiden sind für die Kalbinnenaufzucht sowie für trockenstehende Kühe gut geeignet.    

Tabelle 1: Durchschnittlicher Nährstoff- und Energiegehalt des Weidefutters aller im Vollweideprojekt eingebundenen Betriebe

   

Weidefutter

Anzahl

N

353

Trockenmasse

g/kg FM

190

Rohprotein

g/kg T

215 (± 30)

Rohfett

g/kg T

27 (± 3)

Rohfaser

g/kg T

213 (± 27)

N freie Extr.

g/kg T

434 (± 35)

Rohasche

g/kg T

110 (± 26)

NDF

g/kg T

414 (± 47)

ADF

g/kg T

254 (± 31)

ADL

g/kg T

32 (± 7)

Energie

MJ NEL/kg T

6,32 (± 0,4)

Weideverhalten der Rinder

Bei Weidehaltung wenden Rinder je nach Leistung, Futterangebot und Tageslänge zwischen 6 und 11 Stunden für die Futteraufnahme auf. Untersuchungen mit Milchkühen haben gezeigt, dass bei hochleistenden Tieren die tägliche Biss- und Kauanzahl die Grünfutteraufnahme limitieren können! Beispielsweise erreichen Kühe 45.000–75.000 Kauschläge pro Tag. Davon entfallen 30–50 % auf die Futteraufnahme und der Rest auf das Wiederkauen. Sie fressen im Allgemeinen innerhalb von 24 Stunden in 3–5 Hauptperioden, vorzugsweise am frühen Morgen und frühen Abend. Je geringer das Futterangebot ist, desto mehr Zeit wird für das Weiden aufgewendet. Eine hastige Futteraufnahme erhöht das Blährisiko. An heißen Tagen (etwa ab 25°C) geht die Weidefutteraufnahme in den Stunden mit der höchsten Temperatur zurück. Kühle Temperaturen beeinflussen das Weideverhalten nicht negativ. Wenn jedoch Wind in Kombination mit Regenfällen auftritt, kann es an diesen Tagen zu einem Rückgang der Weidefutteraufnahme kommen. Rinder passen ihr Verhalten stark an die Fütterungs-, Klima- und Tageslängenbedingungen an und sind auch Gewohnheits- und Herdentiere. Wenn beispielsweise im Stall Futter guter Qualität angeboten wird, geht die Weideaktivität sofort zurück und die Kühe warten (auch hungrig!) an der Eintriebsstelle.

  • Eine  hohe Weideaktivität und Weidefutteraufnahme kann mit größeren Ergänzungsfütterungsmengen nicht erreicht werden!
  • Bei langen Regenperioden (bzw. großer Hitze ohne Schattenplätze auf der Weide), sollten die Kühe möglichst früh am Morgen und Abend (=Hauptfresszeiten) auf den Weiden sein. Zur Entlastung der Weiden (bzw. Kühe) können die Tiere in der restlichen Zeit (Mittag bzw. Nacht) vorübergehend eingestallt werden.

Schonende Übergangsfütterung sehr wichtig!

Der Weidebeginn ist eine der sensibelsten Fütterungsphasen bei Vollweidehaltung. Die Tiere haben hier eine hohe Milchleistung und einen dementsprechend hohen Nährstoffbedarf. Zusätzlich ändert sich die Rationszusammensetzung für die Pansenmikroben deutlich und die Kühe müssen sich wieder an das Weiden gewöhnen. Das Weidefutter ist hochverdaulich und verträgt keine hohe Kraftfutterergänzung. Die Kühe stehen in dieser Phase zumeist auch zur Wiederbelegung an.

Weidebetriebe sollten ihre Flächen etwa zu jenem Zeitpunkt bereits bestoßen, wenn in der Region die ersten Betriebe mit dem Wiesenabschlep

pen beginnen.

  • Die Kühe gewöhnen sich in einer Phase an das Weiden, wo der tägliche Futterzuwachs noch nicht sehr hoch ist.
  • Die Pansenmikroben werden langsam auf das Weidefutter umgestellt.
  • Das Überweiden des jungen Pflanzenbestandes fördert die Bestockung der Gräser sowie die Wurzelbildung und lenkt den Pflanzenbestand in eine günstig Richtung. Lückenfüller und unerwünschte Kräuter werden zurück gedrängt, die Trittempfindlichkeit geht zurück.

In den ersten 2-3 Wochen ist schrittweise von Stunden- über Tag- auf Ganztagsweidehaltung (=Tag- und Nachtweide) umzustellen. Mit steigender Weidedauer wird im Stall die Ergänzungsfütterung (Grund- und vor allem auch Kraftfutter) verringert. Die Verfütterung von Heu ist insbesondere in der Übergangszeit günstig. Vollweidebetriebe mit Silageeinsatz versuchen bereits vor Weidebeginn die Fahrsilos zu leeren und setzen danach zumeist auf Ballensilagen. Hier ist das Nacherwärmungsrisiko gering als bei Fahrsilos und man muss die Silage auch nicht „mit Gewalt“ noch vor dem ersten Erntetermin verfüttert haben. Dies ist bedeutend, da bei Umsetzung einer geblockten Abkalbung und gezielten Vollweidehaltung zumeist weniger konserviertes Futter als bisher benötigt wird! Betriebe die den Weideaustrieb auf Grund der Verfütterung von Futterresten verschlafen, haben über die gesamte Weideperiode Probleme!   

Zu Weidebeginn wird eine möglichst große Fläche überweidet. Hier können auch Flächen bestoßen werden, wo im weiteren Jahresverlauf der 1. Aufwuchs – durch die Überweidung um 1 Woche verzögert – gemäht wird. Wie die Praxis zeigt, bereiten die Kotstellen aus der Frühlingsbeweidung bei sachgemäßer Maschineneinstellung keine Probleme bei der Futterernte. Die Überweidung wirkt sich jedenfalls positiv auf den Bestand (Bestockung angeregt, Pflanzenbestandslenkung) aus.  

Wie Abbildung 1 zeigt, setzt bereits etwa 3–4 Wochen nach Vegetationsbeginn die intensivste Wachstumsphase im Grünland mit höchster Futterqualität ein. Zu diesem Zeitpunkt müssen die Pansenmikroorganismen, der Verdauungstrakt und die Tiere (Weideverhalten) daher auf die Weide umgestellt sein. Damit wird verhindert, dass das Futter auswächst und in Folge Futterverluste entstehen.

Da Weidegras auch eiweißreich ist, kann mit Weidebeginn die Eiweißergänzung über das Kraftfutter reduziert oder ausgesetzt werden. Wenn geringe Mengen an Kraftfutter gefüttert werden, sollte sich dieses nicht nur aus Getreide (Gerste, Weizen, Triticale, Roggen) zusammensetzen. Günstig sind hier Körnermais-, Kleien- und Trockenschnitzelanteile (20-30 % bzw. 10-20 %) im Kraftfutter, da diese Komponenten langsamer im Pansen abgebaut werden. Auf eine ausgewogene und bedarfsgerechte Versorgung mit Viehsalz (20–40 g) und mit Mineralstoffen und Spurenelementen ist zu achten. Stellt man den Mineralstoff- und Spurenelementbedarf dem Gehalt im Weidegras gegenüber, dann ergibt sich immer ein Natrium-Ergänzungsbedarf (Viehsalz). Auch bei Phosphor und Spurenelementen kann es zu einer unter den Empfehlungen liegenden Versorgung kommen. Die Kalziumaufnahme reicht üblicherweise für Milchleistungen bis 30 kg aus. Zur Vorbeuge von Weidetetanie durch Magnesiummangel kann der Einsatz von zumindest 50 g einer magnesiumreichen Mineralstoffmischung, insbesondere zu Weidebeginn, empfohlen werden.