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40 2012 kuh mit kalb

Der Abkalbetermin und die Länge des Abkalbefensters haben einen wesentlichen Einfluss auf das Betriebsmanagement

40 2012 braunvieh weide

Gutes Weidefutter hat je nach Jahreszeit ein Milchleistungspotential von 20 bis
28 kg

40 2012 vollweidebetrieb irland
Vollweidebetrieb in Irland mit saisonaler Spätwinderkalbung ohne Melkpause

40 2012 vollweidehaltung neuseeland
In Neuseeland dominiert die Vollweidehaltung mit Melkpause und Abkalbung zu Weidebeginn

Autor: Priv. Doz. Dr. DI Andreas Steinwidder


Bei Vollweidehaltung von Milchkühen kann mit oder ohne Melkpause gearbeitet werden.


Geblockte Abkalbung ja – Melkpause nein 

Die Mehrzahl der Betriebe wird, zumindest in der Umstellungsphase, eine enge Blockabkalbung mit rascher Wiederbelegung und damit verbundener Melkpause nicht anstreben bzw. umsetzen. Eine sinnvolle Möglichkeit ist für diese Betriebe die abkalbefreie Zeit in die Monate April bis Ende Oktober zu legen. Damit ist gewährleistet, dass in der Vegetationszeit mit höchster Weidefutterqualität (bis September) keine Kühe trocken stehen und ab Juni auch keine Belegungen erforderlich sind. Es kalben hier auch keine Kühe in der Weidezeit ab, was bei Vollweidehaltung auf Grund der begrenzten Ergänzungsfütterungsmöglichkeit Probleme bereiten kann. Üblicherweise leiten bei dieser Abkalbevariante die Kalbinnen bzw. jene Kühe die „durchgemolken“ wurden die Abkalbesaison im Herbst ein. Die Trockenstehzeit fällt bei einem Großteil der Kühe mit dem Ende der Weidezeit zusammen. Jene Betriebe welche Wert auf eine relativ hohe Einzeltierleistung legen, kann auch hier ein nicht zu später Abkalbetermin empfohlen werden. Bei verlängerter Abkalbesaison ist man hinsichtlich Erstabkalbealter und Remontierung flexibler, benötigt weniger Kälber- und Abkalbeplätze und hat eine kontinuierlicher Milchproduktion. Man verzichtet dabei jedoch auf die Melkpause, einheitliche Futter- und Leistungsgruppen sowie auf die arbeitszeitsparenden konzentrierteren Arbeitsabläufe.     

Zur Berechnung des Milchanfalls im Jahresverlauf in Abhängigkeit vom Abkalbezeitpunkt und der Verteilung der Kuhherde steht Ihnen ein Excel-Formular zur Verfügung.

1. Kontinuierliche Abkalbung über das Jahr 

Betriebe welche eine kontinuierliche Abkalbung über das Jahr praktizieren, können das beschriebene Vollweidekonzept nur eingeschränkt umsetzen. Das Weidefutter wird hier zumeist weniger effizient verwertet und es muss auch mit höheren Futterkosten (mehr konserviertes Futter und zumeist auch mehr Kraftfutter) gerechnet werden. Bei Abkalbungen in der Weidezeit ist darüber hinaus eine Ergänzungsfütterung zu Laktationsbeginn schwierig umsetzbar. Dies führt oft dazu, dass die gesamte Herde im Stall gefüttert und das Weideverhalten wesentlich verändert wird. Da bei Ganztagsweidehaltung in den Monaten Juli bis September ein relativ hoher Eiweißüberschuss in der Ration besteht (Milchharnstoffgehalt zumeist über 35 mg/100 ml), kann es in dieser Phase auch zu verschlechterten Verbleiberaten kommen. Weiters ist zu beachten, dass trockenstehende Kühe nicht gemeinsam mit den laktierenden Kühen auf den qualitativ hochwertigen Weiden gehalten werden können (Verfettung, Abkalbeprobleme, Stoffwechselstörungen).

2. Vollweide mit Melkpause - für Spezialisten

Eine Melkpause kann dann erreicht werden, wenn alle Kühe des Betriebes innerhalb von 9–11 Wochen zur Abkalbung kommen. Bei streng geblockter Abkalbung kann üblicherweise der höchste Weidegrasanteil an der Jahresration erzielt werden und es fällt eine hohe Milchleistung auch mit der höchsten Weidefutterqualität im Frühling zusammen. Der geblockte und saisonale Arbeitsablauf reduziert darüber hinaus den jährlichen Arbeitszeitbedarf. Alle Kühe befinden sich den Großteil des Jahres in einem vergleichbaren Laktations- und Fütterungsstadium und die Laktationskurve ist sehr gut auf das Weidefutter abgestimmt. In der Vegetationszeit (Zeit mit dem preiswertesten Futter) stehen keine Tiere trocken, demgegenüber führt die Trockenstehzeit im Winter zu einem geringeren Futterbedarf, insbesondere an hochwertigem konservierten und damit teurem Futter. In jenen Phasen wo bei den Kühen der Milchharnstoffgehalt auf Grund des im Vegetationsverlauf zunehmenden Eiweißüberschusses im Futter ansteigt, sind die Kühe hier bereits trächtig. Da über zumindest 6 Monate keine Milchkälber am Betrieb sind, nimmt das Risiko von Kälbererkrankungen (Infektionsketten) ab. Bereits im ersten Sommer kommen die Nachzuchtkälber nach Möglichkeit auf eine Kälberweide. Hier sollte in einem Unterstand eine Ergänzungsfütterung möglich sein.

Dieses streng saisonale System braucht jedoch beste Fruchtbarkeitsergebnisse, da ansonsten die Kosten für die Bestandesergänzung sehr stark ansteigen. Eine passende Weidegenetik (keine extrem scharfen und hochleistenden Tiere) sowie zumindest vorübergehend ein Stier bei der Herde, kann in der zweiten Hälfte der Belegesaison empfohlen werden. Der Brunstbeobachtung muss jedenfalls größtes Augenmerk geschenkt werden. Selbst bei besten Fruchtbarkeitsergebnissen muss mit einem jährlichen Abgang von 10 % der Kühe auf Grund des Hinausfallens aus dem zeitlich begrenzten „Belege bzw. Abkalbefensters“ (geringe Verbleiberate bei Einzeltieren, unvermeidbare Fruchtabgänge etc.) gerechnet werden. Im Schnitt ist die Laktationsdauer in Betrieben mit Melkpause verkürzt (unter 305 Tage im Schnitt der Herde), da spätabkalbende Kühe früher trocken gestellt werden. Der Eutergesundheit muss großes Augenmerk geschenkt werden. Im Herbst sind nämlich alle Kühe spätlaktierend, sodass ein Mischmilcheffekt (S-Qualität!) entfällt. Es ist auch zu bedenken, dass in diesem Zeitraum im Normalfall keine männlichen Kälber am Betrieb sind. Für die Kälberaufzucht müssen auch die entsprechenden räumlichen Möglichkeiten geschaffen werden. Bei eigener Bestandesergänzung ist ein mittleres Erstabkalbealter von 24 (bzw. 36) Monaten erforderlich. Bei Laufstallhaltung ist in der Abkalbezeit eine variable Gruppenbildungsmöglichkeit anzustreben, da die Anzahl der laktierenden Kühe kontinuierlich steigt. Zusätzlich muss der jahreszeitlich uneinheitlichere Milchanfall berücksichtigt werden. Wichtige Fragen in diesem Zusammenhang sind weiters: Reicht die Milchtankgröße aus? Wie sieht es mit der Mindestfüllmenge für das Funktionieren der Milchkühlung aus? Wie wirkt sich die saisonale Milchproduktion auf Wintermilchzuschläge, die Milchinhaltsstoffe und eine eventuelle Milchverarbeitung am Betrieb bzw. die Direktvermarktung aus?

 Bei streng geblockter Abkalbung ist auch der im Jahresverlauf unterschiedliche Arbeitszeitbedarf zu berücksichtigen. Von Beginn der Abkalbesaison bis zur Umstellung auf Ganztagsweidehaltung muss mit der jahreszeitlich höchsten Arbeitszeitbelastung gerechnet werden. Demgegenüber geht der Arbeitszeitbedarf von Mai bis zum Beginn der nächsten deutlich zurück.