Sie benutzen eine uralte Version von Microsofts InternetExplorer.
Diese Version wird von unserer Website nicht mehr unterstützt.
Bitte aktualisieren Sie Ihren InternetExplorer oder wechseln Sie zu einem anderen modernen Browser.
40 2012 braunvieh auf weide
40 2012 kuh heu
40 2012 kuh weide
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Durch Stundenweidehaltung kann die Grundfutteraufnahme verbessert werden - Weidegras ist Eiweiß- und Zuckerreich und wir gerne gefressen

Autor: Priv. Doz. Dr. DI Andreas Steinwidder

Von Halbtagsweide spricht man, wenn die Rinder etwa 7-10 Stunden pro Tag auf der Weide gehalten werden. Dies erfolgt üblicherweise entweder über den Tag (Tagweide) oder vom Abend bis zum Morgen (Nachtweide).

Bei Halbtagsweide nehmen Rinder etwa 30-60 % der Tagesfutter-Trockenmasseaufnahme über die Weide auf (z.B. Milchkühe 7-11 kg TM/Tag). Da Rinder bei Dunkelheit weniger grasen, ist es bei Nachtweidehaltung wichtig, dass die Tiere nicht zu spät auf die Weide kommen. Bei Nachtweidehaltung wird aber zumeist etwas weniger Weidefutter aufgenommen, als bei Tagweide.

Bei Stundenweide kommen die Rinder täglich zwischen 2-6 Stunden auf die Weide. Bei gutem Weidefutterangebot nehmen intensiv weidende Milchkühe etwa 1-2 kg Trockenmasse Weidefutter je Stunde auf.

Vorteile der Stunden- bzw. Halbtagsweide:

+ Kraftfutter (insbesondere Eiweißkraftfutter) kann im Vergleich zur reinen Stallfütterung mit Futterkonserven gezielt gespart werden

+ Höhere Grundfutterleistung als bei reiner Fütterung mit konserviertem Futter

+ Im Vergleich zur Stallhaltung tiergemäßere Haltung und verbesserte Brunsterkennung

+ Im Vergleich zur Ganztagsweide ist bei Stunden- oder Halbtagsweide weniger Weidefläche erforderlich. Es kann auch eine leistungsgerechte Fütterung leichter umgesetzt werden und es ist die Einzeltierbeobachtung einfacher durchzuführen. Die Tiere können gezielt zum Fressen auf die Weide gelassen werden.

+ Schwankungen auf der Weide können durch Ergänzungsfütterung ausgeglichen werden

+ für Jungtiere (unter ½ Jahr) in Kombination mit Unterstand/Stall gut geeignet

Nachteile der Stunden- bzw. Halbtagsweide:

- Im Vergleich zur Ganztagsweide arbeitsaufwändiger, es fallen höhere Futterkosten an und die Tiere zeigen unruhigeres Weideverhalten

- Nur auf stallnahen Flächen praktikabel

- Schonende Ergänzungsfütterung (Kraftfutter reduzieren und anpassen!) ist notwendig

- Schwankendere Pansenbedingungen im Tagesverlauf (Wechsel zwischen Weide- bzw. Stallfutter)

Kraftfutter anpassen

Mit steigendem Weidefutteranteil an der Tagesration kann bzw. muss der Kraftfuttereinsatz reduziert werden. In der Milchviehhaltung kann vor allem auf die Eiweißergänzung in der Weidezeit verzichtet werden.

- Bei Halbtags- bzw. Stundenweidehaltung sollte die täglich Kraftfuttergabe 5–7 kg (sinkende Menge je nach Weidefutteranteil) auch bei hoher Tagesmilchleistung nicht überschreiten.

- Je höher der Weidegrasanteil in der Ration ist, desto wichtiger wird bei Einsatz von Kraftfutter, dass dieses vermehrt langsam abbaubare Komponenten (Körnermais, Kleien, Trockenschnitzel etc.) enthält. Wenn Klauenrehe vermehrt auftritt, dann weist dies häufig auf zurückliegende Störungen des Pansenstoffwechsels hin.

- In der Milchviehhaltung ist eine Ergänzung mit eiweißreichen Komponenten ist erst bei hohen Tagesmilchleistungen (je nach Weide- bzw. Maissilageanteil ab 25 bis 32 kg Milch) notwendig. Ein wichtiges Beurteilungskriterium stellt hier der Harnstoffgehalt der Milch dar. Bei Milchharnstoffgehalten über 25 mg ist zur Weide keine Eiweißergänzung notwendig.

- In der Aufzucht, Rindermast und Mutterkuhhaltung kann bei Weidehaltung zumeist vollständig auf eine Ergänzung mit eiweißreichen Komponenten verzichtet werden.

 

Tipps für Stundenweidebetriebe

Bei Stundenweidehaltung sollten die Rinder vor allem zum Fressen und nicht zum Liegen auf der Weide sein! Damit fällt auch der größte Teil des Kotes und Harns im Stall an und die Hitze und Fliegenbelastung der Tiere ist gering. Da Rinder in den frühen Morgenstunden bzw. den frühen Abendstunden die Hauptfressaktivität zeigen, sollten z.B. Milchkühe morgens rasch nach der Melkung für zumindest 2-3 Stunden zum Grasen auf die Weide kommen. Bei Dunkelheit, aber auch von 11:00-15:00 Uhr, wird bei üblicher Weidehaltung wenig gegrast.

- Ein zweimal täglicher Weidegang (morgens und abends) ist aus pansenphysiologischer Sicht günstiger als ein einmaliger Weidegang.

- Stundenweidebetriebe füttern im Stall die übliche Grundfutterration weiter. Günstig ist, wenn in der Ration auch etwas Heu enthalten ist. Auch Maissilage, sofern vorhanden, hat bei Stunden- und Halbtagsweide eine gute Ergänzungswirkung. Trotz Ergänzungsfütterung. sollten Kühe aber generell hungrig auf die Weide getrieben werden – Ausnahme: Weidebeginn im Frühjahr bzw. bei Blähgefahr.

- Sehr gute Ergebnisse (Leistungen, Arbeitszeit!) können bei Stundenweidehaltung auch mit dem Weidesystem „Kurzrasenweide“ erzielt werden.

 

Versuchsergebnisse zur Halbtagsweidehaltung von Milchkühen (Johann Häusler et al.)

Excel-Formular zur Abschätzung der täglichen Weidefutteraufnahme, Milchleistung und Futterkosten bei Milchkühen