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40 2012 mutterkuh mit kalb
Gute Milchleistung von Mutterkühen bei Ganztagsweidehaltung
 
40 2012 kaelber weide

Bei Weidehaltung von Kälbern sollte ein Stall oder Unterstand vorhanden sein
 

Autor: Priv. Doz. Dr. DI Andreas Steinwidder

Bei Ganztagsweide bleiben die Tiere praktisch den ganzen Tag auf der Weide bzw. kommen Milchkühe nur zur Melkzeit in den Stall – die Weidedauer beträgt daher 20-24 Stunden pro Tag.

Bei diesem Verfahren benötigt man pro Tier die größte Weidefläche. Hofferne Flächen werden in der Praxis von Aufzucht- oder Masttieren, Mutterkühen oder trockenstehenden Kühen ganztägig beweidet.

Das Weidefutter ist die Allein- bzw. Hauptfutterart. Höherleistende Tiere weiden auf guten Standorten, das Weidemanagement legt auf eine hohe und gleichbleibende Futterqualität Wert. Mit niedrigleistenden Tieren (Aufzucht, trockenstehende Kühe etc.) können extensive Standorte sehr gut und nachhaltig beweidet werden.

Bei Ganztagsweidehaltung ist die Fresszeit im Stall begrenzt oder entfällt vollständig. Zur Aufnahme von Mineralstoffen (z.B. Viehsalz, Spurenelemente…) reicht bei begrenzter Stallzeit oft die Zeit nicht um diese zu fressen. Hier müssen diese über Lecksteine (vor Regen schützten) auf der Weide angeboten werden.  Darüber hinaus ist ständiger Zugang zu sauberem Wasser notwendig.

Vorteile der Ganztagsweide:

+   Geringe bzw. keine Fütterungsarbeiten

+   Weniger Stallarbeit

+   Weniger Kosten

+   Ruhige Weidetiere

Nachteile der Ganztagsweide:

-       Viel weidefähige Fläche muss vorhanden sein

-       Einzeltierleistung, insbesondere in der Milchviehhaltung (Menge, Inhaltsstoffe), begrenzt

-       Schwankungen in der Weidefutterqualität schlagen stärker auf Leistung durch, Weidemanagement sehr wichtig

-       Erhöhter Beobachtungsaufwand auf der Weide

Zur Abschätzung des Flächenbedarfs bei Kurzrasenweide bzw. Koppelweide steht Ihnen ein Excel-Formular zur Verfügung.

Die Vollweidehaltung ist eine besondere Form der Ganztagsweide. Vollweidebetriebe streben eine möglichst kostengünstige Produktion und einen hohen Weidefutteranteil an der Jahresration an. Bei diesen Betrieben ist Ganztagsweidehaltung bei geringer bzw. keiner Ergänzungsfütterung und saisonaler Abkalbung üblich.

Versuchsergebnisse zur Kalbinnenaufzucht bei Kurzrasen- bzw. Koppelweide
Versuchsergebnisse zur Kalbinnenmast

Excel-Formular zur Abschätzung der täglichen Weidefutteraufnahme, Milchleistung und Futterkosten bei Milchkühen

 

 

 

 

 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Bei Vollweide steht das Weidemanagement im Mittelpunkt
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Das Interesse an Low-Input Konzepten nimmt zu - auch um die Abhängikeit von Dritten zu verringern und um Arbeitszeit
40 2012 weidezeit ergaenzungsfuetterung
In der Weidezeit wird auf eine Ergänzungsfütterung zumeist vollständig verzichtet.
40 2012 weidefutter
Weidefutter hat ein hohes Potential und ist preiswert.
40 2012 wasserversorgung3

Autor: Priv. Doz. Dr. DI Andreas Steinwidder

Die Low-Input Vollweidestrategie versucht eine hohe Effizienz durch Minimierung der Produktionskosten und eingesetzten Produktionsmittel zu erreichen. Die Maximierung des Outputs steht dabei nicht im Vordergrund. Der Einsatz von Maschinen und Geräten, Zukauffutter, Arbeitszeit etc. muss dabei jedoch kurz-, mittel- und langfristig konsequent verringert werden. In der Wiederkäuerfütterung ist das Weidefutter das preiswerteste Futtermittel. Daher versuchen Low-Input Betriebe durch beste Nutzung der Weide den Anteil an konserviertem Futter und Kraftfutter in der Jahresration so weit wie möglich zu reduzieren.

 

Eine nahezu vollständig auf betriebseigenem Grundfutter basierende Milchproduktion wird angestrebt. Hohe Einzeltierleistungen stehen bewusst nicht im Vordergrund, es wird jedoch eine hohe Flächenproduktivität und Umwandlungseffizienz des Grünlandfutters in Milch angestrebt. In typischen Weideregionen wird auch der Laktationsverlauf bestmöglich an die Vegetationsperiode angepasst (saisonale Milchproduktion). Die wirtschaftlichen Ergebnisse der Milchproduktion in den „Vollweide-Regionen“ Neuseeland, Australien und Irland zeigen, dass diese Produktionsform bei konsequenter Umsetzung sehr konkurrenzfähig sein kann. In den letzten Jahren liefen auch mehrere wissenschaftliche Untersuchungen zur Vollweidehaltung im Voralpen- und Alpengebiet (Schweiz, Österreich, Bayern, Baden Württemberg). Dabei zeigte sich, dass bei passenden Betriebsgegebenheiten und standortangepasster Umsetzungsstrategie dieses Betriebskonzept auch in unserer Region erfolgversprechend umgesetzt werden kann.  

 

Das gilt für Vollweidebetriebe

  • Im Frühling möglichst rasch mit dem Weiden beginnen (große Fläche vorgeben).
  • Vor der Hauptwachstumszeit (=ca. 3 Wochen vor dem 1. Schnitt) müssen die Kühe und der Pansen auf die Weide umgestellt sein
  • In der Hauptvegetationszeit Ganztagsweidehaltung durchführen
  • Bei Regenperioden geeignete Weideflächen beweiden und diese möglichst großflächig vorgeben. Eventuell vorübergehend Weidezeit verkürzen – Weidegras bleibt aber Hauptfutter!
  • Zumindest 0,3-0,6 ha Weidefläche ist pro Kuh erforderlich
  • Eine geblockte Abkalbung anstreben
  • Hohe Einzeltierleistung steht nicht im Vordergrund
  • Hohe Effizienz durch beste Weidenutzung und konsequente Kosten- und Arbeitszeitminimierung
  • Keine trockenstehenden Kühe auf hochwertige Talweiden treiben
  • Eine gute Flächenleistung erreicht man, wenn mit der Weide eher „geizig“ umgegangen wird
  • Auf arbeitssparende Weidesysteme die zum Betrieb und zum Bestand passen setzen
  • Das hohe Potential der Weide wirklich ausschöpfen
  • Eine bisher schnittgenutzte Wiese muss langsam in eine Weide übergeführt werden (Weidegräseranteil fördern, eventuell Übersaat/Nachsaat etc.)  
  • Kühe und Weidepflanzen besser kennen lernen (Weidemanagement ist mehr als die Kühe aus dem Stall zu lassen)
  • Die Umstellung gezielt durchführen
  • Auf Euterpflege und Eutergesundheit besonderes Augenmerk legen
  • Hoher Weidegrasanteil und Kraftfutter passen nicht zusammen
  • Wer im Stall viel beifüttert ist auf der Weide ineffizient (Weideverdrängung u. Verhaltensänderung)
  • Die Kühe müssen immer Zugang zu sauberem Wasser haben (mehrere Tränkestellen von Vorteil)
  • Langfristig auf weidetauglichere Genetik setzen (kleinere Kühe etc.)

 

Weide steht im Mittelpunkt

Bei Vollweidehaltung steht die Weide im Mittelpunkt. Das gesamte Betriebsmanagement wird dabei bestmöglich auf die Weidezuwachskurve und Weidequalität abgestimmt. Bei optimalem Weidemanagement kann mit minimalem Aufwand eine sehr hohe und konstante Grünfutterqualität von 6 bis 7 MJ NEL pro kg TM erreicht werden. Entscheidend für eine hohe Weidefutterqualität sind ein passender Pflanzenbestand und die standortangepasste Weideführung. Je nach Betriebssituation kann auf Koppel-, Kurzrasen- oder Portionsweidehaltung zurückgegriffen werden.

 

Betriebsangepasstes Management gefragt

Vollweidebetriebe setzen ein ausgeklügeltes Low-Input Weide- und Betriebsmanagement um. Wichtig ist dabei die Ausrichtung der Betriebsführung auf die natürlichen Standortbedingungen. Die Kühe sollen vor allem dann Milch geben, wenn preiswertes Weidefutter wächst. Das Herdenmanagement wird grundsätzlich so abgestimmt, dass die Kühe im bzw. bis Ende des Winters (je nach Betriebssituation November – April) abkalben. Im Winter stehen damit die Kühe trocken, was auch den Bedarf an konserviertem Grundfutter bester Qualität reduziert. Auch die Jungkälber gehen bereits im ersten Sommer auf eine Kälberweide. Zusätzlich sind im Sommer alle Kühe trächtig und stehen nicht trocken. Wie die österreichischen Erfahrungen in einem vom Bio-Institut des LFZ Raumberg-Gumpenstein geleiteten Forschungsprojekt mit Praxisbetrieben zeigen, kann eine enge Blockabkalbung mit 4-6 wöchigen Melkferien jedoch nicht auf jedem Betrieb umgesetzt bzw. angestrebt werden.

 

 

Autor: Priv. Doz. Dr. DI Andreas Steinwidder

Wenn man sich entschließt eine enge Blockabkalbung umzusetzen, hat das Fruchtbarkeitsmanagement eine große Bedeutung. In der Umstellungsphase ist mit einer im Durchschnitt verlängerten Zwischenkalbezeit und Laktationsdauer zu rechnen. Auch die Milchleistung der Kühe bzw. des Betriebes kann dadurch im Umstellungsjahr sinken (0-15 %). Wenn der Tierbestand deutlich ausgeweitet wird oder der Kraftfuttereinsatz am Betrieb stark reduziert wird, kann möglicherweise das derzeitige Grundfutterangebot trotz effizienter Nutzung nicht ausreichen. Zur Berechnung des Futterbedarfs bei Umstellung auf Vollweidehaltung steht Ihnen ein Excel-Formular zur Verfügung.   

Kühe die aus dem Belegefenster hinaus fallen, werden ab Beginn der Umstellung konsequent nicht mehr belegt. Dabei ist zu beachten, dass üblicherweise ein „Nachvorholen“ des Abkalbetermins bei Kühen welche sich am Ende des angesetzten Belegefensters befinden, nicht erwartet werden darf. Jene Kühe die nach dem Ende der angesetzten Belegezeit zur Brunst kommen, werden konsequent bis zum Beginn der nächsten Belegezeit nicht mehr belegt bzw. gedeckt. Wie die Praxisbetriebsleiter berichteten, bereitete es keine Probleme diese Tiere in das System einzugliedern. Die Kühe kamen regelmäßig zur Brunst und wurden auf den Betrieben auch rasch trächtig.

  • In der Umstellungsphase sollte eher einen früher Abkalbetermin angestrebt werden. Kühe die relativ spät zur Belegung anstehen – auch wenn sie sich theoretisch noch im Belegefenster befinden – sollten bewusst nicht mehr belegt werden. Damit hat man in den ersten Folgejahren weniger Druck und hat die nötige Zeit zum Erfahrungssammeln.

Terminbeispiel:

Der Betriebsleiter strebt langfristig eine Abkalbezeit von 1. Jänner bis spätestens 15. März an. Damit ergibt sich ein Belegefenster von 22. März – 1. Juni. Im ersten Umstellungsjahr sollte der Belegebeginn und das Belegeende jedoch bewusst um 3-4 Wochen nach vor gezogen werden (Belegefenster 1. Umstellungsjahr: 20. Februar-1. Mai). In den Folgejahren sind die gesetzten Termine jedoch sehr konsequent einzuhalten – ansonsten verliert man die Melkpause bzw. hat lange Trockenstehzeiten bei einigen Kühen. 

 

 

 

 

40 2012 kuh mit kalb

Der Abkalbetermin und die Länge des Abkalbefensters haben einen wesentlichen Einfluss auf das Betriebsmanagement

40 2012 braunvieh weide

Gutes Weidefutter hat je nach Jahreszeit ein Milchleistungspotential von 20 bis
28 kg

40 2012 vollweidebetrieb irland
Vollweidebetrieb in Irland mit saisonaler Spätwinderkalbung ohne Melkpause

40 2012 vollweidehaltung neuseeland
In Neuseeland dominiert die Vollweidehaltung mit Melkpause und Abkalbung zu Weidebeginn

Autor: Priv. Doz. Dr. DI Andreas Steinwidder


Bei Vollweidehaltung von Milchkühen kann mit oder ohne Melkpause gearbeitet werden.


Geblockte Abkalbung ja – Melkpause nein 

Die Mehrzahl der Betriebe wird, zumindest in der Umstellungsphase, eine enge Blockabkalbung mit rascher Wiederbelegung und damit verbundener Melkpause nicht anstreben bzw. umsetzen. Eine sinnvolle Möglichkeit ist für diese Betriebe die abkalbefreie Zeit in die Monate April bis Ende Oktober zu legen. Damit ist gewährleistet, dass in der Vegetationszeit mit höchster Weidefutterqualität (bis September) keine Kühe trocken stehen und ab Juni auch keine Belegungen erforderlich sind. Es kalben hier auch keine Kühe in der Weidezeit ab, was bei Vollweidehaltung auf Grund der begrenzten Ergänzungsfütterungsmöglichkeit Probleme bereiten kann. Üblicherweise leiten bei dieser Abkalbevariante die Kalbinnen bzw. jene Kühe die „durchgemolken“ wurden die Abkalbesaison im Herbst ein. Die Trockenstehzeit fällt bei einem Großteil der Kühe mit dem Ende der Weidezeit zusammen. Jene Betriebe welche Wert auf eine relativ hohe Einzeltierleistung legen, kann auch hier ein nicht zu später Abkalbetermin empfohlen werden. Bei verlängerter Abkalbesaison ist man hinsichtlich Erstabkalbealter und Remontierung flexibler, benötigt weniger Kälber- und Abkalbeplätze und hat eine kontinuierlicher Milchproduktion. Man verzichtet dabei jedoch auf die Melkpause, einheitliche Futter- und Leistungsgruppen sowie auf die arbeitszeitsparenden konzentrierteren Arbeitsabläufe.     

Zur Berechnung des Milchanfalls im Jahresverlauf in Abhängigkeit vom Abkalbezeitpunkt und der Verteilung der Kuhherde steht Ihnen ein Excel-Formular zur Verfügung.

1. Kontinuierliche Abkalbung über das Jahr 

Betriebe welche eine kontinuierliche Abkalbung über das Jahr praktizieren, können das beschriebene Vollweidekonzept nur eingeschränkt umsetzen. Das Weidefutter wird hier zumeist weniger effizient verwertet und es muss auch mit höheren Futterkosten (mehr konserviertes Futter und zumeist auch mehr Kraftfutter) gerechnet werden. Bei Abkalbungen in der Weidezeit ist darüber hinaus eine Ergänzungsfütterung zu Laktationsbeginn schwierig umsetzbar. Dies führt oft dazu, dass die gesamte Herde im Stall gefüttert und das Weideverhalten wesentlich verändert wird. Da bei Ganztagsweidehaltung in den Monaten Juli bis September ein relativ hoher Eiweißüberschuss in der Ration besteht (Milchharnstoffgehalt zumeist über 35 mg/100 ml), kann es in dieser Phase auch zu verschlechterten Verbleiberaten kommen. Weiters ist zu beachten, dass trockenstehende Kühe nicht gemeinsam mit den laktierenden Kühen auf den qualitativ hochwertigen Weiden gehalten werden können (Verfettung, Abkalbeprobleme, Stoffwechselstörungen).

2. Vollweide mit Melkpause - für Spezialisten

Eine Melkpause kann dann erreicht werden, wenn alle Kühe des Betriebes innerhalb von 9–11 Wochen zur Abkalbung kommen. Bei streng geblockter Abkalbung kann üblicherweise der höchste Weidegrasanteil an der Jahresration erzielt werden und es fällt eine hohe Milchleistung auch mit der höchsten Weidefutterqualität im Frühling zusammen. Der geblockte und saisonale Arbeitsablauf reduziert darüber hinaus den jährlichen Arbeitszeitbedarf. Alle Kühe befinden sich den Großteil des Jahres in einem vergleichbaren Laktations- und Fütterungsstadium und die Laktationskurve ist sehr gut auf das Weidefutter abgestimmt. In der Vegetationszeit (Zeit mit dem preiswertesten Futter) stehen keine Tiere trocken, demgegenüber führt die Trockenstehzeit im Winter zu einem geringeren Futterbedarf, insbesondere an hochwertigem konservierten und damit teurem Futter. In jenen Phasen wo bei den Kühen der Milchharnstoffgehalt auf Grund des im Vegetationsverlauf zunehmenden Eiweißüberschusses im Futter ansteigt, sind die Kühe hier bereits trächtig. Da über zumindest 6 Monate keine Milchkälber am Betrieb sind, nimmt das Risiko von Kälbererkrankungen (Infektionsketten) ab. Bereits im ersten Sommer kommen die Nachzuchtkälber nach Möglichkeit auf eine Kälberweide. Hier sollte in einem Unterstand eine Ergänzungsfütterung möglich sein.

Dieses streng saisonale System braucht jedoch beste Fruchtbarkeitsergebnisse, da ansonsten die Kosten für die Bestandesergänzung sehr stark ansteigen. Eine passende Weidegenetik (keine extrem scharfen und hochleistenden Tiere) sowie zumindest vorübergehend ein Stier bei der Herde, kann in der zweiten Hälfte der Belegesaison empfohlen werden. Der Brunstbeobachtung muss jedenfalls größtes Augenmerk geschenkt werden. Selbst bei besten Fruchtbarkeitsergebnissen muss mit einem jährlichen Abgang von 10 % der Kühe auf Grund des Hinausfallens aus dem zeitlich begrenzten „Belege bzw. Abkalbefensters“ (geringe Verbleiberate bei Einzeltieren, unvermeidbare Fruchtabgänge etc.) gerechnet werden. Im Schnitt ist die Laktationsdauer in Betrieben mit Melkpause verkürzt (unter 305 Tage im Schnitt der Herde), da spätabkalbende Kühe früher trocken gestellt werden. Der Eutergesundheit muss großes Augenmerk geschenkt werden. Im Herbst sind nämlich alle Kühe spätlaktierend, sodass ein Mischmilcheffekt (S-Qualität!) entfällt. Es ist auch zu bedenken, dass in diesem Zeitraum im Normalfall keine männlichen Kälber am Betrieb sind. Für die Kälberaufzucht müssen auch die entsprechenden räumlichen Möglichkeiten geschaffen werden. Bei eigener Bestandesergänzung ist ein mittleres Erstabkalbealter von 24 (bzw. 36) Monaten erforderlich. Bei Laufstallhaltung ist in der Abkalbezeit eine variable Gruppenbildungsmöglichkeit anzustreben, da die Anzahl der laktierenden Kühe kontinuierlich steigt. Zusätzlich muss der jahreszeitlich uneinheitlichere Milchanfall berücksichtigt werden. Wichtige Fragen in diesem Zusammenhang sind weiters: Reicht die Milchtankgröße aus? Wie sieht es mit der Mindestfüllmenge für das Funktionieren der Milchkühlung aus? Wie wirkt sich die saisonale Milchproduktion auf Wintermilchzuschläge, die Milchinhaltsstoffe und eine eventuelle Milchverarbeitung am Betrieb bzw. die Direktvermarktung aus?

 Bei streng geblockter Abkalbung ist auch der im Jahresverlauf unterschiedliche Arbeitszeitbedarf zu berücksichtigen. Von Beginn der Abkalbesaison bis zur Umstellung auf Ganztagsweidehaltung muss mit der jahreszeitlich höchsten Arbeitszeitbelastung gerechnet werden. Demgegenüber geht der Arbeitszeitbedarf von Mai bis zum Beginn der nächsten deutlich zurück.

 

 

 

 

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Wenn die Abkalbezeit im Frühwinter liegt, dann können die Kühe zu Laktationsbeginn ausgefüttert werden. Die Milchleistung ist höher, der Weidegransanteil an der Jahresration sinkt und es steigen die Futterkosten.

Autor: Priv. Doz. Dr. DI Andreas Steinwidder

 

In welche Monate die geblockte Abkalbezeit gelegt wird, hängt wesentlich von den Betriebszielen ab. Betrieben mit Hochleistungskühen bzw. Betriebe welche eine höhere Einzeltierleistung anstreben, kann ein im Jahresverlauf früher Abkalbebeginn (z.B. Ende November bis Ende Jänner) empfohlen werden. Die Tiere können in diesem Fall im Stall in den ersten 2-4 Laktationsmonaten gut ausgefüttert werden und kommen dann mit einer Milchleistung von etwa 20-25 kg auf die Weide, was etwa dem Weidepotential entspricht. Der Weideaustrieb führt in diesem Zeitraum hier zumeist zu einem leichten Milchleistungsanstieg („2. Laktationsspitze“). Auch wenn in der Region häufig Sommertrockenheit auftritt, ist ein früher Abkalbetermin günstiger. Eine mögliche Futterknappheit bereitet hier weniger Probleme, da das Milchleistungsniveau der Kühe bereits geringer ist. Darüber hinaus fällt im Herbst das Weideende mit dem Trockenstellen zusammen. Auch bei kurzer Vegetationsdauer (Berggebiet) wird zumeist die Winterabkalbung sinnvoller sein.

Bei Frühjahrsabkalbung (Ende Jänner-Ende März) kann demgegenüber ein höherer Weidegrasanteil und ein geringerer Kraftfutterbedarf erreicht werden. Darüber hinaus kommen hier die Kälber bei zunehmender Tageslänge zur Welt und der Zeitpunkt der Wiederbelegung fällt in jenen (natürlichen) Zeitraum, in dem durchschnittlich die höchsten Verbleiberaten erzielt werden. Hochleistungstiere können hier jedoch bei Frühjahrsabkalbung und konsequenter Vollweidehaltung zu Weidebeginn nicht ausgefüttert werden. Dies kann bei diesen Tieren den Stoffwechsel belasten und zu schlechteren Fruchtbarkeitsergebnissen und steileren Laktationskurven führen. In Weidegunstlagen der Schweiz wird üblicherweise die Frühjahrsabkalbung mit Erfolg umgesetzt.

Versuchsergebnisse zum Einfluss des Abkalbezeitpunktes bei Vollweidehaltung in Österreich