Sie benutzen eine uralte Version von Microsofts InternetExplorer.
Diese Version wird von unserer Website nicht mehr unterstützt.
Bitte aktualisieren Sie Ihren InternetExplorer oder wechseln Sie zu einem anderen modernen Browser.

Für die Beseitigung von gebietsfremden, invasiven Pflanzenarten und bewusstseinsbildende Maßnahmen rund um den Grimmig hat die HBLFA Raumberg-Gumpenstein in den letzten fünf Jahren ein großes Aktionsprogramm in Zusammenarbeit mit der Berg- und Naturwacht und den Gemeinden Irdning-Donnersbachtal, Stainach-Pürgg sowie Wörschach umgesetzt.


Invasive Neophyten sind gebietsfremde Pflanzenarten, die unter direkter oder indirekter Mithilfe des Menschen nach Europa gelangt sind und sich hierzulande erfolgreich etabliert haben. Einige dieser Arten, wie das Drüsige Springkraut, der Japanische Staudenknöterich, die Kanadische- oder die Riesen-Goldrute, breiten sich auch im Steirischen Ennstal ungehindert aus und bilden große Dominanzbestände. Gebietsfremde Pflanzenarten können enorme wirtschaftliche, ökologische aber auch gesundheitliche Schäden verursachen.

Die Verordnung des Europäischen Parlaments 1143/2014 „Über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten“ verpflichtet die Mitgliedsstaaten die Vorgaben auf nationaler Ebene umzusetzen. Auf dieser Liste sind all jene invasiven Pflanzen- und Tierarten angeführt, die entweder noch gar nicht nach Europa gelangt sind (Vorbeugung) oder die in den Mitgliedsstaaten bereits Probleme verursachen, sodass ein entsprechendes Management zu erfolgen hat. Auf der derzeit geltenden Liste ist u.a. auch das Drüsige Springkraut angeführt und entsprechende Managementmaßnahmen werden zurzeit ausgearbeitet.

Das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) wurde im 19. Jahrhundert als Zierpflanze aus dem Himalajagebiet eingebracht. 1889 gibt es einen Erstnachweis am Weidlingbach (NÖ). Diese einjährige, lichtliebende Pflanzenart zeigt eine beachtliche Wuchskraft und breitet sich in der Nähe von Feuchtwiesen und Gewässern enorm aus. Durch ihre geringe Wurzelmasse sowie deren Absterben im Herbst steigt die Erosionsgefahr entlang von Gewässern. Jede Pflanze kann etwa 2.500 Samen produzieren, die über einen Schleudermechanismus für ihre Verbreitung sorgen. Die Samen bleiben bis zu 7 Jahren keimfähig und werden hauptsächlich über Gewässer (schwimmfähige Samen) aber auch über Erdmaterial, Gartenabfälle und Arbeitsgeräte verbreitet. Aufgrund der langen Keimfähigkeit der Samen sind langjährige Bekämpfungsmaßnahmen erforderlich.

Einmal ausgesetzt (z.B. als Sichtschutzhecke, Zierpflanze) oder über Arbeitsgeräte bzw. Aushubmaterial ungewollt am eigenen Grundstück gelandet, ist der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica) kaum mehr zu bändigen. Die Verbringung von kontaminiertem Erdmaterial bei Aufschüttungen ist daher dringend zu überdenken, da über diesen Ausbreitungsvektor oftmals eine Neubesiedelung mit invasiven Arten erfolgt und unter Umständen mit hohen Folgekosten zu rechnen ist. Die Wurzeln des Japanischen Staudenknöterichs wachsen mehrere Meter in die Tiefe und können bei Bauwerken große Schäden verursachen. Die schnellwüchsigen, mehrjährigen Stauden sind extrem invasiv, bilden Massenbestände aus, sodass die autochthone, standortangepasste, böschungsstabilisierende Vegetation verdrängt wird. Durch das Absterben der oberirdischen Pflanzenteile im Herbst steigt die Erosionsgefahr entlang von Gewässern.

Die Kanadische Goldrute und die Riesen-Goldrute (Solidago canadensis, Solidago gigantea) sind nach wie vor beliebte Zierpflanzen und werden, wie das Drüsige Springkraut, auch von Imkern gerne als Trachtpflanzen für Bienen gesehen. Diese mehrjährigen Arten wuchern vor allem entlang von Bahn- und Straßendämmen. Sie vermehren sich über Samen (ca. 19.000/Pflanze) und Wurzelausläufer. Die Verbreitung erfolgt über Wind, Erdmaterial, Fließgewässer (Wurzelteile) und Arbeitsgeräte. Die Wurzelausläufer bilden ein dichtes Geflecht, das die Bekämpfung enorm erschwert.

 

Aktiv gegen invasive Neophyten im Steirischen Ennstal – eine Erfolgsgeschichte aus fünf Jahren Management und Pflege

In Problemgebieten der Gemeinden Irdning-Donnerbachtal, Stainach-Pürgg und Wörschach werden die nicht-heimischen Pflanzenarten seit fünf Jahren mit größter Sorgfalt beseitigt, insbesondere entlang von Schutzgebieten und auf Feuchtflächen. Durch die regelmäßige Mahd der Dominanzbestände, das konsequente Ausreißen vor Beginn der Samenbildung sowie einer fachgerechten Entsorgung, insbesondere der Blütenstände mit Samenanlagen, konnten bereits sichtbare Erfolge erzielt werden. Die invasiven Arten wurden nach konsequenter, fachbegleiteter Arbeit in naturschutzfachlich wertvollen Biotopen stark zurückgedrängt.

Bei den alljährlichen Neophyten-Aktionstagen, die von der HBLFA Raumberg-Gumpenstein und der Berg- und Naturwacht organisiert werden, lernen die Teilnehmerinnen die Probleme, Verbreitungsmuster und Bekämpfungsmaßnahmen kennen. „Die Hot-Spots räumen“, heißt die Devise, denn sonst überwuchern diese robusten Pflanzen wertvolle Lebensräume. Jeder kann bei den Maßnahmen mithelfen, um wieder mehr Pflanzenartenvielfalt in die heimische Kulturlandschaft zu bringen.

Auch im internationalen Projekt „CAMARO-D – Transnationale Zusammenarbeit für Gewässerschutz und Schutz vor Hochwässern im Donauraum“ ist das Management zur Beseitigung von invasiven Pflanzenarten ein Schwerpunkt. Eine Anleitung für PraktikerInnen soll gemeinsam mit der Berg- und Naturwacht Steiermark und den Projektpartnern erstellt werden und wird im Frühjahr 2019 im Rahmen eines Praxisseminars vorgestellt. Zwei Schüler der HBLFA Raumberg-Gumpenstein beschäftigen sich im Rahmen ihrer vorwissenschaftlichen Maturaarbeit intensiv mit den invasiven Neophyten im Bezirk. Sie dokumentieren Hot-Spots, erforschen Eigenschaften und Verbreitungstendenzen und untersuchen verschiedene Bekämpfungsmethoden auf ihre Effizienz.

Im ELER Projekt „Maßnahmen zur Erhaltung der Biodiversität in Steirischen Schutzgebieten und wertvollen Lebensräumen“ vom Land Steiermark und der Steiermärkischen Berg- und Naturwacht werden praktische und bewusstseinsbildende Aktivitäten zum Thema invasive Neophyten umgesetzt.