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40 2012 stier weide

 
Ein Stier bei der Herde verbessert die Brunsterkennung, stellt aber auch eine Gefahrenquelle dar.

 
40 2012 fruchtbarkeitsmanagement
 
 
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Ein gezieltes Fruchtbarkeitsmanagement ist notwentig.

Autor: Priv. Doz. Dr. DI Andreas Steinwidder

Fruchtbarkeitsmanagement ist notwendig

Die Basis für gute Fruchtbarkeitsergebnisse sind eine bedarfsangepasste Fütterung, optimale Geburts- und Haltungsbedingungen, auf Fitness und Fruchtbarkeit gezüchtete Tiere (Lebensleistung!) und ein gezieltes Fruchtbarkeitsmanagement. Scharfe, große oder schwere Hochleistungstiere sind für Low-Input Vollweidebetriebe weniger gut geeignet. Kühe welche verfettet zur Abkalbung kommen, oder sich zu Laktationsbeginn stark abmelken, zeigen schlechtere Fruchtbarkeitsergebnisse. Ein Brunstkalender, ausreichend Zeit zur gezielten Brunstbeobachtung sowie ständige Aufzeichnungen darüber sind für Vollweidebetriebe mit geblockter Abkalbung unerlässlich! Ein Stier bei der Herde kann die Fruchtbarkeitsergebnisse verbessern, ersetzt jedoch die Brunstbeobachtung nicht.

Tail painting - gelb, grün, rot

Ein ausgeklügeltes und sehr erfolgreiches Fruchtbarkeitsmanagement aus Neuseeland wird auch auf Schweizer Vollweidebetrieben angewandt (siehe Markus Bühlmann, www.weidemilch.ch). Dabei wird zuerst das Datum für den gewünschten Belegungsstart festgelegt.

1.  Das Programm beginnt 28 Tage vor dem Belegungsstart. Ab diesem Zeitpunkt fängt die Brunstüberwachung an. Diese wird durch Farbmarkierungen der Kühe (tail painting) unterstützt. Die Schwanzansätze aller Kühe und deckfähigen Kalbinnen werden dabei dick mit gelber Farbe (Dispersionsfarbe aus einem Baumarkt in Kunststoffflaschen) bemalt. Die Farbe wird bei einem allfällige Bespringung abgerieben. Die gelbe Farbe soll bei allen Kühen und Kalbinnen, welche über die nächsten 21 Tage eine Brunst zeigen, durch grüne Farbe ersetzt werden. Bis 7 Tage vor dem Belegungsstart ist so ein vollständiger Zyklus durchlaufen und es sind Kühe mit zwei Farben in der Herde: Grün und Gelb.

2. Diejenigen Kühe, welche immer noch die gelbe Farbe tragen, haben überhaupt keine Brunst gezeigt. Kühe, die nicht zyklisieren müssen vom Tierarzt untersucht und nach Bedarf behandelt werden. Dies gilt nicht bei Kühen, die relativ spät abgekalbt haben, dort wird noch zugewartet.

3. Ab Belegungsstart (z. B. 22. März) sollen alle Kühe und Kalbinnen in Brunst besamt und mit Rot markiert werden. Nur Kühe besamen die einen Duldungsreflex zeigen!

4. Am 14. Tag nach dem Belegungsbeginn (z.B. 5. April) soll bei Kühen, die immer noch gelb tragen, der Tierarzt eine zweite Untersuchung vornehmen.

5. Alle Kühe die ab jetzt besamt werden erhalten eine rote Farbe. Der Anteil Kühen mit grüner bzw. gelber Farbe sollte ab jetzt kontinuierlich sinken.

Eine etwa zweimonatige Belegungsperiode gibt unter der Anwendung des empfohlenen Fruchtbarkeitsmanagements allen Kühen mit regelmäßigem Zyklus dreimal die Gelegenheit trächtig zu werden. Wenn zwei Monate nach Ende der Decksaison die Quote der nicht trächtigen Kühe und Rinder unter 10 % liegt, ist die Besamungssaison sehr erfolgreich verlaufen. Die Farbe am Schwanzansatz zeigt nicht nur ob eine Kuh besprungen wurde sondern gibt im Verlauf der Decksaison einen guten Herdenüberblick.

Die beste Brunstbeobachtungszeit ist am Morgen vor dem Melken und abends so spät wie möglich. Hier sollte wirklich jede Kuh gezielt beobachtet werden, dafür ist Zeit einzuplanen. Auch wenn eine Kuh brünstig ist, muss die Beobachtung fortgesetzt werden – bei geblockter Abkalbung sind häufig mehrerer Kühe gleichzeitig!

Besamung oder Stier?

Grundsätzlich sind alle Varianten bei geblockter Abkalbung möglich. Ein Stier bei der Herde erhöht üblicherweise die Brunsterkennungsrate, stellt demgegenüber aber eine potentielle Gefahrenquelle dar und erhöht den Futter- und Platzbedarf. Teilweise halten Betriebe auch nur im letzten Belegemonat einen Deckstier oder führen ausschließlich eine künstliche Besamung durch.

Der Schweizer Vollweidpionier M. Bühlmann (www.weidemilch.ch) belegt die ausgesuchten Zuchtkühe nur bei der Erst- und evtl. Zweitbesamung mit Milch­viehstieren, da er sonst spätgeborene Aufzuchtkälber erhalten würde, die dann nur eine verkürzte Wachstumszeit bis zur 1. Abkalbung hätten. Tiere die zum dritten Mal besamt werden und Kühe die nicht für die Nachzucht bestimmt sind, werden hier ausschließlich mit Maststieren gedeckt. Da Kalbinnen schon mit 24 Monaten abkalben, werden diese mit leichtkalbigen Vätern (Angus, Jersey etc.) belegt. Tiere, die am Ende der Decksaison zu belegen sind, werden nicht mit französischen Mastrassen belegt, weil die Trächtigkeiten aus diesen Kreuzungen länger dauern als die Trächtigkeiten von Angus- und Jersey-Stieren.

Ein österreichischer Vollweidepionier hält das gesamte Jahr einen Fleischstier bei der Herde und verkauft alle Kälber als Masttiere. Gesunde Kühe die verspätet trächtig werden, können als Bio-Mutterkühe abgesetzt werden. Die Remontierung erfolgt hier über Zukauftiere.