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40 2012 kuehe auf weide
40 2012 weidemessungen

Bei Vollweide steht das Weidemanagement im Mittelpunkt
40 2012 besucher bei weidetag
Das Interesse an Low-Input Konzepten nimmt zu - auch um die Abhängikeit von Dritten zu verringern und um Arbeitszeit
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In der Weidezeit wird auf eine Ergänzungsfütterung zumeist vollständig verzichtet.
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Weidefutter hat ein hohes Potential und ist preiswert.
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Autor: Priv. Doz. Dr. DI Andreas Steinwidder

Die Low-Input Vollweidestrategie versucht eine hohe Effizienz durch Minimierung der Produktionskosten und eingesetzten Produktionsmittel zu erreichen. Die Maximierung des Outputs steht dabei nicht im Vordergrund. Der Einsatz von Maschinen und Geräten, Zukauffutter, Arbeitszeit etc. muss dabei jedoch kurz-, mittel- und langfristig konsequent verringert werden. In der Wiederkäuerfütterung ist das Weidefutter das preiswerteste Futtermittel. Daher versuchen Low-Input Betriebe durch beste Nutzung der Weide den Anteil an konserviertem Futter und Kraftfutter in der Jahresration so weit wie möglich zu reduzieren.

 

Eine nahezu vollständig auf betriebseigenem Grundfutter basierende Milchproduktion wird angestrebt. Hohe Einzeltierleistungen stehen bewusst nicht im Vordergrund, es wird jedoch eine hohe Flächenproduktivität und Umwandlungseffizienz des Grünlandfutters in Milch angestrebt. In typischen Weideregionen wird auch der Laktationsverlauf bestmöglich an die Vegetationsperiode angepasst (saisonale Milchproduktion). Die wirtschaftlichen Ergebnisse der Milchproduktion in den „Vollweide-Regionen“ Neuseeland, Australien und Irland zeigen, dass diese Produktionsform bei konsequenter Umsetzung sehr konkurrenzfähig sein kann. In den letzten Jahren liefen auch mehrere wissenschaftliche Untersuchungen zur Vollweidehaltung im Voralpen- und Alpengebiet (Schweiz, Österreich, Bayern, Baden Württemberg). Dabei zeigte sich, dass bei passenden Betriebsgegebenheiten und standortangepasster Umsetzungsstrategie dieses Betriebskonzept auch in unserer Region erfolgversprechend umgesetzt werden kann.  

 

Das gilt für Vollweidebetriebe

  • Im Frühling möglichst rasch mit dem Weiden beginnen (große Fläche vorgeben).
  • Vor der Hauptwachstumszeit (=ca. 3 Wochen vor dem 1. Schnitt) müssen die Kühe und der Pansen auf die Weide umgestellt sein
  • In der Hauptvegetationszeit Ganztagsweidehaltung durchführen
  • Bei Regenperioden geeignete Weideflächen beweiden und diese möglichst großflächig vorgeben. Eventuell vorübergehend Weidezeit verkürzen – Weidegras bleibt aber Hauptfutter!
  • Zumindest 0,3-0,6 ha Weidefläche ist pro Kuh erforderlich
  • Eine geblockte Abkalbung anstreben
  • Hohe Einzeltierleistung steht nicht im Vordergrund
  • Hohe Effizienz durch beste Weidenutzung und konsequente Kosten- und Arbeitszeitminimierung
  • Keine trockenstehenden Kühe auf hochwertige Talweiden treiben
  • Eine gute Flächenleistung erreicht man, wenn mit der Weide eher „geizig“ umgegangen wird
  • Auf arbeitssparende Weidesysteme die zum Betrieb und zum Bestand passen setzen
  • Das hohe Potential der Weide wirklich ausschöpfen
  • Eine bisher schnittgenutzte Wiese muss langsam in eine Weide übergeführt werden (Weidegräseranteil fördern, eventuell Übersaat/Nachsaat etc.)  
  • Kühe und Weidepflanzen besser kennen lernen (Weidemanagement ist mehr als die Kühe aus dem Stall zu lassen)
  • Die Umstellung gezielt durchführen
  • Auf Euterpflege und Eutergesundheit besonderes Augenmerk legen
  • Hoher Weidegrasanteil und Kraftfutter passen nicht zusammen
  • Wer im Stall viel beifüttert ist auf der Weide ineffizient (Weideverdrängung u. Verhaltensänderung)
  • Die Kühe müssen immer Zugang zu sauberem Wasser haben (mehrere Tränkestellen von Vorteil)
  • Langfristig auf weidetauglichere Genetik setzen (kleinere Kühe etc.)

 

Weide steht im Mittelpunkt

Bei Vollweidehaltung steht die Weide im Mittelpunkt. Das gesamte Betriebsmanagement wird dabei bestmöglich auf die Weidezuwachskurve und Weidequalität abgestimmt. Bei optimalem Weidemanagement kann mit minimalem Aufwand eine sehr hohe und konstante Grünfutterqualität von 6 bis 7 MJ NEL pro kg TM erreicht werden. Entscheidend für eine hohe Weidefutterqualität sind ein passender Pflanzenbestand und die standortangepasste Weideführung. Je nach Betriebssituation kann auf Koppel-, Kurzrasen- oder Portionsweidehaltung zurückgegriffen werden.

 

Betriebsangepasstes Management gefragt

Vollweidebetriebe setzen ein ausgeklügeltes Low-Input Weide- und Betriebsmanagement um. Wichtig ist dabei die Ausrichtung der Betriebsführung auf die natürlichen Standortbedingungen. Die Kühe sollen vor allem dann Milch geben, wenn preiswertes Weidefutter wächst. Das Herdenmanagement wird grundsätzlich so abgestimmt, dass die Kühe im bzw. bis Ende des Winters (je nach Betriebssituation November – April) abkalben. Im Winter stehen damit die Kühe trocken, was auch den Bedarf an konserviertem Grundfutter bester Qualität reduziert. Auch die Jungkälber gehen bereits im ersten Sommer auf eine Kälberweide. Zusätzlich sind im Sommer alle Kühe trächtig und stehen nicht trocken. Wie die österreichischen Erfahrungen in einem vom Bio-Institut des LFZ Raumberg-Gumpenstein geleiteten Forschungsprojekt mit Praxisbetrieben zeigen, kann eine enge Blockabkalbung mit 4-6 wöchigen Melkferien jedoch nicht auf jedem Betrieb umgesetzt bzw. angestrebt werden.